Texte über meine Arbeit
Texte von Kunstwissenschaftlerinnen zu ausgewählten Aspekten meiner künstlerischen Arbeit.
Text von Carla Habel über meine Malerei (gekürzt), 2017.
"Die Orte für die künstlerische Inspiration können vielfältig sein: die Natur, Großstädte, fremde Länder. Laila Seidel sucht ihre Inspiration in Gegenden, die für die meisten Westeuropäer
weiße Flecken auf der Landkarte sind. Sie reist in die Länder der ehemaligen Sowjetunion, nach Kirgistan, Tschechien, Slowakei, Rumänien etc. Dort findet sie die Motive, die sie später im Atelier
zu Malerei verarbeitet.
Ihre Malerei geht auf vor Ort erstellte Fotografien zurück. So entstehen Bilder, die direkt aus dem Moment zu kommen scheinen und ein Ereignis, eine Person, eine Bewegung oder auch nur einen Eindruck in der Malerei festhalten. Es geht ihr dabei nicht um die genaue Wiedergabe des Ereignisses, sondern vielmehr darum, eine Vision festzuhalten. Dafür spricht auch die krasse Farbigkeit, mit der sie ihre Malerei umsetzt. Die Malerei ist weder realistisch noch abstrakt. Vielmehr spielt Laila Seidel mit den verschiedenen Malgenres und erschafft damit ihren ganz eigenen Stil.
Oftmals baut Laila Seidel spiegelnde Reflexe, zum Beispiel Brillengläser, in ihre Werke ein. In den Spiegelungen erkennt der Betrachter oft ein bisschen mehr von der Umgebung, in der die Szene
sich abgespielt hat; meist wird auch der Titel des Bildes aus dem Sichtbaren der Spiegelungen generiert. Die dargestellten Personen an sich stehen aber nicht im Vordergrund der Arbeit, es handelt sich nicht um klassische Portraits - nicht der Charakter, nicht die Besonderheiten einer Person werden abgebildet. Sie sind vielmehr das Trägermaterial für die Farbe und geben der Malerei die Struktur vor. Durch sie und ihre Farbigkeit werden der Charakter und die
Erinnerung der bestimmten Situation beschrieben."
- Carla Habel, Kunstwissenschaftlerin
Auszug aus einem Text von Eva Čapková über meine Scherenschnitte, 2025.
„Der negative Raum wird ebenso wichtig wie der positive. Er ist ein aktives Element, das Emotionen und Gedanken hervorruft. Die Leere, die durch das Entfernen von Papier entsteht, spielt eine Schlüsselrolle in der Gesamtwahrnehmung des Werkes, da sie ein wesentlicher Bestandteil der Komposition ist.
Laila Seidel schafft durch Schneiden und Entfernen von Papiermasse neue Realitäten, die unsere Gegenwart widerspiegeln. Sie zeigt ihre Erfahrungen aus verschiedenen Teilen der Welt, konfrontiert den Betrachter mit unterschiedlichen Kulturen und Bräuchen und stellt
Fragen über uns selbst. Sie zeigt die Sehenswürdigkeiten einzelner Länder, aber gleichzeitig auch Orte, die den Touristen häufig verschlossen bleiben. Sie übersetzt in ihre moderne Sprache lang
bekannte und wichtige Themen der Kunstgeschichte. Als eine der wenigen Künstlerinnen arbeitet sie mit der Technik des Papercuts, die in ihren Händen zu einem lebendigen, aktuellem und kreativen Ausdrucksmittel wird.“
- Eva Čapková, Kunsthistorikerin
